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Porec - Geschichte/Kultur |
Geschichte
Im 2. Jh. römisches Castrum, später erhält sie den Status eines
Munizipiums, im 1. Jh. ist sie unter dem Namen Colonia Julia Parentium
bekannt. Zum Bischofssitz wurde sie bereits zwischen dem 3. und 4. Jh.
Nach dem Untergang des Weströmisches Reiches wird sie von den Ostgoten
eingenommen, seit 539 unter Byzanz, im Jahre 788 kommt sie unter die
Herrschaft der Franken. Im 12. Jh. wird in Porec eine kommunale
Selbstverwaltung eingeführt. Seit 1232 steht die Stadt unter der
Herrschaft der Patriarchen von Aquileia und ab 1267 unter Venedig. Im
Jahre 1354 wird sie von den Genuesen geplündert. Ende des 16. und
Anfang des 17. Jh. ist wegen der Pest die Einwohnerzahl der Stadt
wesentlich zurückgegangen. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. ließen
sich Ansiedler aus Süddalmatien in der Stadt und Umgebung nieder. Nach
dem Untergang Venedigs im Jahre 1779 fiel Porec an Österreich. Seit
1861 war es die Hauptstadt Istriens und Sitz des Istrischen
Landtags.1918–43 stand Porec unter Italien. Im 2. Weltkrieg (1944) ist
die Stadt
durch Bombenangriffe stark zerstört worden.
Kulturerbe
Im Grundrißschema der Straßen von Porec erkennt man noch heute die
rechteckige Anlage des römischen Castrums, der Decumanus (O-W-Achse)
hat den Charakter einer längs verlaufenden Hauptstraße behalten. Im 6.
Jh. entsteht die prachtvolle Anlage der Euphrasius-Basilika. In den
folgenden Jahrhunderten verfällt die Stadt; sie wird erst gegen Ende
des 12. Jh. erneuert; im 13. Jh. werden die Stadtmauern verstärkt und
im 15. Jh. wird die Stadt wegen der von den Türken drohenden Gefahr
erneut befestigt. Da die Stadtmauer im 18. Jh. ihre Funktion verloren
hat, verfällt sie allmählich. Im 19. und 20. Jh. wird durch den Bau
plumper Gebäude, sowie besonders durch das Aufschütten des
südwestlichen Teils des Halbinsel, wo ein Hotel errichtet wurde, das
einheitliche Stadtbild zerstört. Auf der Ostseite entsteht außerhalb
der Stadtmauern das neue Stadtzentrum.
Vom Ufer erreicht man über die einstige römische Hauptstraße (Cardo)
den Matija-Gubac-Platz. Biegt man von ihm rechts in die Straße Ulica
sv. Maura ab, erblickt man auf der südlichen Seite ein gotisches
dreistöckiges Haus aus dem 15. Jh. und auf der nördlichen Seite einen
romanisch-gotischen Palast und etwas weiter das zweigeschossige
romanische sogennate Haus der zwei Heiligen mit zwei romanischen
Reliefdarstellungen der Heiligen im Obergeschoß. Vom Matija-Gubac-Platz
führt die Straße in Richtung Norden zum einstigen Decumanus (Dekumanska
ulica). An der Nordostecke der Kreuzung der Hauptachsen Cardo und
Decumanus steht ein romanisches Haus, daß im 15. Jh. angebaut wurde
(gotische Zwillingsfenster). Daneben liegt ein gotischer Palast aus dem
15. Jh. (Kragsteine in Form von Löwenköpfen, charakteristischer
Balkon). Gegenüber, auf der Südseite des Decumanus, befindet sich ein
gotisches Haus aus dem 15. Jh. An der Nordwestecke steht ein gotischer
Palast aus dem 15. Jh. (Zwillingsfenster an der Hausecke), an den sich
ein spätgotischer Palast aus dem 15. Jh. anlehnt. Weiter in Richtung
Norden liegt das frei stehende sog. Romanische Haus mit einer
Außentreppe und einem Holzbalkon (Ausstellungsraum). Der Marafor-Platz
steht an der Stelle des antiken Forums; auf der Westseite sind Reste
des Neptun-Tempels aus dem 2. Jh. erhalten. Das ursprüngliche Pflaster
des Forums ist am Nordstreifen der Häuser am Platz erhalten. Vom
Marafor-Platz führt die Gundulic-Straße in Richtung Norden zur
ehemaligen Franziskanerkirche (Anfang des 14. Jh.), die in der zweiten
Hälfte des 19. Jh. umgebaut wurde. Im ersten Stock befand sich der Saal
des Istrischen Landtags, der später in einen Ausstellungssaal
verwandelt wurde. Über den Cardo im Norden erreicht man die
Euphrasius-Straße. Dort steht das Kanonikerhaus (1251), ein
repräsentatitives, romanisches Gebäude (romanische Zwillingsfenster,
Portal u. Nischen mit Inschriften), das heute als Pfarrhof dient.
Westlich vom Kanoniker-haus führt eine schmale Gasse zum Komplex der
Euphrasius-Basilika (Mitte des 6. Jh.), die aus einer Kirche, einem
Atrium, einer Taufkapelle und dem ehemaligen Bischofspalast besteht.
Wegen ihrer reichen Dekoration und des gut erhaltenen Zustands stellt
die Euphrasiana eines der bedeutendsten Denkmäler der byzantinischen
Kunst dar; 1997 wurde sie in das Verzeichnis der Weltkulturdenkmäler
der UNESCO aufgenommen. Der erste Sakralbau an dieser Stelle war das
sog. Oratorium des hl. Maurus, das in der zweiten Hälfte des 3. Jh.
errichtet wurde. Nach dem Toleranzedikt von 313 n. Chr. wurde an dieser
Stelle eine öffentliche Kirche gebaut, im 4. Jh. wurde der Raum
verdoppelt; einer der Räume diente als Kultstätte, der andere als
Martyrium (dort wurden die Gebeine des Märtyrers Maurus bewahrt). Im 5.
Jh. wurde ein großes dreischiffiges Bauwerk errichtet, auf dessen
Grundmauern Mitte des 6. Jh. Euphrasius, Bischof von Porec, eine
prachtvolle dreischiffige Basilika erbauen ließ. Vor dem Kircheneingang
befindet sich ein viereckiges Atrium, dessen Säulen byzantinische
Kapitelle tragen. Das Atrium ist auf allen vier Seiten mit einem
Portikus überdacht und beherbergt ein Lapidarium. Auf der Westseite des
Atriums liegt das Baptisterium, an das sich der Campanile aus dem 16.
Jh. anlehnt. Die Nordseite der Anlage war einem Entwurf aus dem 6. Jh.
zufolge vom Gebäude des ehemaligen Bischofspalastes abgeschlossen,
während der Jahrhunderte wurde er jedoch des öfteren umgebaut. Die
Basilika ist dreischiffig, mit einem erhöhten Mittelschiff. Im Inneren
der Basilika sind die Kirchenschiffe durch 18 Säulen mit
unterschiedlichen Kapitellen getrennt; die Kämpfer über den Kapitellen
zieren Medaillons mit dem Monogramm des Bischofs Euphrasius. Auf den
Bögen zwischen den Säulen auf der Nordseite ist die ursprüngliche
Stuccodekoration erhalten. Das Mittelschiff endet mit einer tiefen
Apsis vor dem erhöhten Chorraum, der durch steinerne Chorschranken mit
Reliefplatten vom Kirchenschiff abgegrenzt ist. Am Altar befindet sich
ein vergoldetes Antependium aus dem Jahr 1452. Über der Mensa erhebt
sich das Ziborium des Bischofs Oton aus dem Jahr 1277 (die
Säulenkapitelle stammen vom ursprünglichen Ziborium aus dem 6. Jh.).
Der Baldachin des Ziboriums ist mit Mosaiken verziert (Verkündigung,
Medaillons mit den Gestalten von Märtyrern aus Porec). Die Apsis
schmücken prächtige Mosaiken, wahre Meisterwerke byzantinischer Kunst.
In der Halbkuppel ist die Muttergottes auf dem Thron dargestellt,
umgeben von zwei Erzengeln und istrischen Märtyrern; in der Mitte der
linken Gruppe steht der Bischof Euphrasius mit einer kleinen Kirche in
der Hand, neben ihm sein Bruder Claudius, und zwischen den beiden ein
junger Mann, Claudius’ Sohn. Im unteren Teil des Mosaiks sind die
Szenen der Verkündigung und Heimsuchung sowie drei weitere Gestalten
(Zacharius, Erzengel Gabriel und Johannes d. T.) abgebildet. Darunter
befindet sich ein mit Marmorplatten bedeckter Streifen mit
Inkrustationen und Intarsien aus Perlmutter und bunten Steinen. Im
Apsisscheitel steht die erhöhte bischöfliche Cathedra. Der Apsisbogen
weist auf seiner Innenseite 12 Medaillons mit den Büsten Heiliger und
ein zentrales Medaillon mit der symbolischen Darstellung Agnus Dei auf;
am Triumphbogen erscheint Christus, auf einem Globus sitzend, inmitten
der seitlich von ihm stehenden Apostel (jeweils 6 Apostel zur seiner
Linken und Rechten). Das Mosaik wurde im 18. Jh. zerstört und 1891
restauriert. In der nördlichen Apsis ist ein Teil des ursprünglichen
Mosaiks erhalten. Auf dem Fußboden des Nordschiffs wurden zwei
Mosaikschichten entdeckt: die untere gehört zur Basilika aus dem 4. Jh.
und die obere zur Kirche aus dem 5. Jh. Die Tür an der Nordwand führt
zu einem Flur und weiter zur Sakristei, die im 15. Jh. umgebaut wurde.
Aus diesem Flur gelangt man durch die Vorhalle aus dem 13. Jh. und
einen ellypsenförmigen Vorraum zur kleeblattförmigen Memorialkapelle
des hl. Maurus aus dem Jahre 1247. In der südlichen Apsis ist ein Teil
des ursprünglichen Mosaiks erhalten; in der Lünette über der Apsis
erkennt man Fragmente von Wandmalerei aus dem 15. Jh. Die Decke aus dem
15. Jh. wurde in jüngerer Zeit restauriert. An der Südwand liegen 3
Kapellen, von denen die westliche im 17. Jh. und die östliche im 19.
Jh. angebaut wurde. Der Raum zwischen ihnen wurde vor kurzer Zeit in
eine Kapelle verwandelt; in der mittleren Kapelle steht das Chorgestühl
aus dem Jahre 1452, in der westlichen ist ein Polyptychon von Antonio
Vivarini aus dem Jahre 1440, das Gemälde Letztes Abendmahl (Palma d.
J.) und Christus im Hause von Maria und Martha (Werkstatt von Francesco
Bassano) sehenswert.
Von der Euphrasius-Basilika führt der Weg im Süden zum Decumanus. Hier
steht an der südwestlichen Ecke der Kreuzung der repräsentative Palast
Sincic aus dem 17. Jh., wo jetzt das Heimatmuseum von Porec
untergebracht ist. Über den Decumanus gelangt man in Richtung Osten zum
repräsentativen Gotikpalast aus dem 15. Jh. (mit einem gotischen
Drillingsfenster an der Fassade und einem Portal im Renaissancestil)
und weiter zum fünfeckigen Turm aus dem 13. Jh. (im 15. Jh. erneuert),
dem einzigen erhaltenen Teil des einstigen Stadttors. In der
Fortsetzung des Decumanus liegen der Joakim-Rakovac-Platz und die
barocke Marienkirche aus dem 13. Jh. Von dort gelangt man über die
Aldo-Negri-Straße zur runden venezianischen Bastei aus dem 15. Jh.
Auf der kleinen Insel Sveti Nikola wurde das ehemalige Schloß (1886) in
ein Hotel umgebaut. Der runde Turm aus dem Jahre 1402 gehört zu den
ältesten erhaltenen Leuchttürmen an der Adria.
Das Heimatmuseum von Porec (im Palast Sincic) beherbergt ein
Lapidarium, eine Sammlung archäologischer Funde, Möbel, Gemälde und
ethnographische Gegenstände. Im Jahre 1974 wurde die Sammlung der
Gemeinde Porec gegründet, die etwa 40 Ausstellungsstücke enthält,
darunter einige Mosaikfragmente (das älteste aus dem 3. Jh.), Kruzifixe
(13. Jh.) sowie einige Altarblätter (15.–17. Jh.) und Chorgestühl.
Weltkulturerbe
Der Komplex sakraler Gebäuden aus dem 6. Jahrhundert liegt im
nordöstlichen Teil des historischen Stadtkerns von Porec, auf dem
Gebiet einer antiken Insel. Er wurde in der Zeit von Bischof Euphrasius
gebaut. Dominierend wirken die dreischiffige Basilika, das Atrium, der
Vorraum, die achteckige Taufkapelle und der Bischofspalast sowie das
Vikariat aus dem 13.- 15. Jahrhundert, ein Glockenturm aus dem 16.
Jahrhundert und zwei Kapellen aus dem 17.- 19. Jahrhundert. Die Apsis
der Basilika ist mit figürlichen Mosaiken prunkvoll geschmückt, die mit
den Mosaiken von San Vitale in Ravenna zu den außergewöhnlichsten
Beispielen der Mosaikkunst in Europa zählen.
Foto:
KROATISCHE ZENTRALE FÜR TOURISMUS
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Ferienhaus, Ferienwohnung in Kroatien |
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